Bahnhof

Amtsblatt von 18??

Bericht der Leipziger Allgemeinen Zeitung vom 2. 3. 1842...Staatsvertrag zum Bau einer Eisenbahn von Halle über Merseburg

Bahnverkehr 1914 aus einer Bröschüre des Verkehrsvereins

Berichte im Merseburg Kreisblatt aus dem Jahr 1872

Eisenbahn

Monatskarten für Schüler (Nr. 8)
die Verwaltung der Magdeburg-Leipziger-Eisenbahn hat jetzt Schulbesuchskarten eingeführt, welche vom 1. Februar ab zulässig sind. Hiernach können auf die Dauer eines Monats und länger Abonnementskarten für Kinder, welche die Schulen benachbarter Orte besuchen, gelöst werden. Der Abonnementspreis beträgt pro Schultag und Meile eineinhalb Silbergroschen in der zweiten Klasse und ein Silbergroschen in der dritten Wagenklasse und für jedes weitere zu einer und derselben Familie gehörendes Kind dreiviertel bzw. ein halber Silbergroschen, also die Hälfte des ersten Satzes. Die Schulbesuchskarten gelten für eine Hin-und Rückfahrt an jedem Schultage und wird hiernach der Preis berechnet. Sonn- Fest- und Feiertage bleiben von der Berechnung ausgeschlossen. Diese Einrichtung besteht bereits seit einer Reihe von Jahren auf der Berlin- Potsdam-Magdeburger-Eisenbahn mit großem Erfolg, namentlich zwischen Zehlendorf, Steglitz und Berlin.

Fahrplan für Eisenbahnfahrten ab Merseburg (Nr. 11)

Abgang von Merseburg in der Richtung nach Halle:
3:54 Uhr morgens Regionalschnellzug
8:03 Uhr vormittags vierte Klasse
12:22 Uhr mittags vierte Klasse
4:54 Uhr nachmittags T. Schnellzug
10:22 Uhr abends vierte Klasse

Abgang von Merseburg in Richtung Weißenfels:
5:58 Uhr morgens vierte Klasse
11:41 Uhr vormittags T. Schnellzug
2:18 Uhr nachmittags vierte Klasse
8:27 Uhr abends vierte Klasse
12:00 Uhr nachts Regionalschnellzug

Die um 8:03 Uhr morgens, um 12:55 Uhr mittags und um 10:22 Uhr abends nach Halle abgehenden Züge, ebenso die von Halle nach hier um 5:58 Uhr morgens, 2:18 Uhr nachmittags und 8:27 Uhr abends abgehenden Züge halten in Ammendorf an.

Berliner Nordbahn Berlin-Stralsund
Dier stürmische Andrang zu der kürzlich stattgefundenen Zeichnung auf die Stammprioritäten der Berliner Nordbahn hat wiederum gezeigt, wie wichtig das große Publikum ansichtsvolle und solide Unternehmungen zu würdigen weiß. Über das Resultat der Zeichnung erfahren wir, dass statt der zur Subskription aufgelegten 2 Millionen Taler die Summe von 18,2 Millionen Taler in 11.561 Parteien gezeichnet worden ist und sich unter den 11.561 einzelnen Zeichnern drei fünftel außerhalb der Börse stehende Kapitalisten befinden. Diese Stammtprioritäten werden hiernach zu einem erheblichen Teil in festen Besitz gelangen und dadurch den Händen bloßer Spekulanten, welche ihre Aktien unter Realisierung des Gewinns schnell wieder weggeben, entzogen sein. …
Erfahrungsgemäß haben Eisenbahnverbindungen überall, wo solche neu entstanden, auf schnelle Entwicklung von Industrie und Handel stets den erheblichsten Einfluss ausgeübt. In dem Distrikte der Berliner Nordbaden kommen die mehr als irgend sonst wo billigen Arbeitslöhne dem aufblühen des Fabrikwesens besonders zustatten. Mit der steigenden Ausbreitung der Industrie wird sich zugleich für die Bahn ein umfangreicher Kohleverkehr entwickeln müssen und es ist jedermann bekannt, wie günstig dieser Verkehr auf Bahnerträgnisse einwirkt.
Für den Personenverkehr ist es von Bedeutung, dass Tegel - ein Hauptausflugsziel der Berliner - von der Bahn berührt und dadurch dieser bisher nur nach mehrstündiger Fahrt erreichbare Ort in unmittelbarer Nähe der Reichshauptstadt gerückt wird. In der gleichfalls an der Bahn liegenden, von der Natur hervorragend begünstigten, mit prächtigen Waldungen und Seen umgebenden Großherzoglich M ecklenburgischen Residenz Neustrelitz wird den Bewohnern der Weltstadt ein neuer, herrlicher Ausflugsort und Sommeraufenthalt eröffnet, der sich hinsichtlich seiner Naturreize Potsdam würdig zur Seite stellen kann und gleich diesem täglich besonders in den Sommermonaten eine große Anzahl von Besuchern an sich ziehen wird.
Bei dem gegenwärtigen Kurs von 82 dürften somit die Nordbahn-Stamm-Prioritäten als eine sehr billige Kapitalsanlage zu betrachten sein.

 

Verkauf von Postwertzeichen und Korrespondenzkarten durch die in den Zügen befindlichen Postbüros (Nr. 25)
alle in den Zügen befindlichen Postbüros werden vom 1. April an einem Vorort von Freimarken, Franco Kuverts und Korrespondenzkarten mit sich führen, um solche, im Falle eines Verlangens, die im Eisenbahnzuge oder auf dem Bahnhof befindlichen Reisenden abzulassen. Der Verkauf findet unter den gewöhnlichen Bedingungen, die bei jeder stabilen Post entstellt. Die Käufer wollen die zu entrichtenden Beträge womöglich abgezählt bereithalten, dabei der Kürze der alte Zeiten und den besonderen Verhältnissen in den ambulanten Postbüros Wechsel vom Geld meistens nicht tunlich ist.
Berlin, den 16. März 1872
Kaiserliches Generalspostamt


Eisenbahnunglück auf dem Bahnhof Kötschau (Nr. 26)
Nachdem eine Zeit lang die Unglücksfälle auf der Thüringer Bahn nachgelassen, ereignete sich an 26. April auf dem Bahnhof Kötschau eine entsetzliche Katastrophe.
Der 5:41 Uhr abends von Gerstungen ankommende Lokal-Güterzug hielt am zweiten Strang, um den Mitteldeutschen Verbands-Güterzug 5:41 Uhr abends auf dem ersten Strang in entgegengesetzter Richtung durchfahren zu lassen. In dem Moment, als letzterer Zug die Eingangs- weiche passieren wollte, sprang ein Bahnarbeiter unbefugter Weise zur Weiche und stellte dieselbe falsch, so dass dieser Zug mit aller Vehemenz auf den im Bahnhof haltenden Zug, unter dem grellen Schall des Notsignals, losfuhr. Es erfolgte ein Krachen, wie es bei einem Zusammensturz unserer Erde nicht kolossaler gedacht werden kann und das Schrecklichste hatte sich erfüllt. Es stellte sich dem Auge ein Trümmerhaufen der krassesten Art dar. Die bis auf das Entstellendste  verstümmelte Leiche eines Maschinenführers wurde unter einer Maschine hervorgezogen. Derselbe war unter seiner Maschine an einer Reparatur beschäftigt gewesen. Die Leiche eines Bremsers, ebenfalls im schrecklichen Zustande, fand man auf dem Tender des Mitteldeutschen Verbandszuges. Ein Packmeister ist schwer verletzt und wurde sofort nach Leipzig geschafft. Außerdem sind mehrere leichte Blessuren vorgekommen, welche sich die Fahrbeamten beim Abspringen von Maschinen und Wagen zugezogen. Die leeren Wagen hatten sich haushoch aufeinander getürmt, dass sogar ein Wagen auf das Dach des Güterschuppens gestürzt war. Die Familie des im Güterschuppen wohnenden Weichensstellers war glücklicher Weise in dieser Wohnung nicht anwesend. Der Güterschuppen ist stark beschädigt, die Drahtleitung war zerstört. Der Hauptstrang wurde schnell von den Trümmern befreit, so dass die folgenden Züge keinen wesentlichen Aufenthalt erlitten.
Schon 24 h nach dieser schrecklichen Katastrophe waren sämtliche drei Stränge, denn mehr hat  Kötschau  trotz des starken Verkehrs nicht, wieder frei. Drei Lokomotiven und zwölf Güterwagen waren mehr oder weniger zertrümmert. Dieser Schaden wird von den Aktionären nicht empfunden werden, aber das Herzleid der Hinterbliebenen der V erunglückten, deren Gräber sich nun geschlossen haben, wird nicht aufgewogen. Den hohen Herren Beamten der thüringischen Bahn muss es zur Ehre nachgesagt werden, dass sie vom grünen Tisch bald auf der Unglücksstelle erschienen und werden die Lehre mit heim nehmen, dass das System der eingleisigen Bahn unhaltbar geworden und dass ferner durch Einstellung einer genügenden Anzahl Beamte mit einem Gehalte, welcher das Dasein ermöglicht, ähnliche Fälle vermieden werden können. Der oben erwähnte Arbeiter ist verhaftet.

Bessere Bahnverbindung von Leipzig nach Merseburg (Nr. 68)
Um zwischen Leipzig und Merseburg via Cotbetha eine bessere Abendverbindung herzustellen, wird vom 1. September ab versuchsweise und zwar vorläufig bis einschließlich zum 31. Oktober ein Personenzug im Anschluss an den 8:40 Uhr abends von Leipzig in Corbetha eintreffenden Personenzug nach folgendem Fahrplan von dieser Station abgelassen werden:  
aus Corbetha 8:55 Uhr abends
in Merseburg 9:05 Uhr abends
In diesem Zuge können Retourbillets jetzt benutzt werden, sowie auch Reisegepäck zu demselben  befördert wird.
Die Direktion der Thüringischen Eisenbahn Gesellschaft

Leipzig-Zeitzer-Bahn (Nr. 68)
Die Betriebseröffnung der Linie Leipzig-Zeitzer Bahn ist jetzt definitiv auf den 15. Juni 1873 in Aussicht genommen. Bis auf die letzte halbe Meile vor Zeitz ist der Bahnkörper vollständig fertig gestellt, auch die Hochbauten sind nahezu vollendet. Im kommenden Monat soll mit der Gleisverlegung begonnen werden. Der Betrieb verspricht mit Rücksicht auf die günstigeren  Terrainverhältnisse ein bequemer und billiger zu werden.

Fahrschaubild der Strecke Berlin - München über Merseburg von 1936