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Merseburger Dom

Die Kirche des Merseburger Domkapitels geht auf die von Heinrich I. gestiftete Johanniskirche zurück. Der Grundstein für den Bau einer repräsentativen Kathedrale des Bistums Merseburg wurde am 8. Mai 1015 durch den Bischof Thietmar von Merseburg (Thietmar von Walbeck) gelegt, der sich in seiner umfangreichen Chronik nicht ausführlich zum Bau und den dahinter stehenden kirchlichen und künstlerischen Absichten äußert. Die erste Weihe des viertürmigen Kirchbaus auf das Laurentiuspatrozinium fand am 1. Oktober 1021 in Anwesenheit Heinrichs II. statt. Nach zwei Einsturzunglücken und nach dem Wiederaufbau erfolgte 1042 eine zweite Weihe. Neben der nach 1036 begonnenen Krypta sind vom ursprünglichen romanischen Baukörper nur noch Teile erhalten, und zwar die runden Chorbegleittürme aus der Mitte des 11. Jahrhunderts, die Untergeschosse der Westtürme und die unteren Wandteile des Querschiffs mit den beiden östliche Apsiden.
Durch den Merseburger Bischof Werner von Wolkenburg wurde, wohl in Vollendung des ursprünglichen Baukonzeptes, der Bau eines fünften Turmes über der Vierung eingeleitet, der allerdings 1230 einstürzte. Besagtem Bischof ist auch geschuldet, dass Rudolf von Rheinfelden, der 1080 einer in der Schlacht bei Hohenmölsen erlittenen Verwundung erlegen war, seine Grablege im Merseburger Dom fand, obwohl der Tod des gebannten Gegenkönigs (1077-1080 gegen Heinrich IV.) von nicht wenigen Zeitgenossen als Gottesurteil angesehen wurde.
Durch spätere Umbauten, vor allem in der Zeit zwischen 1510 und 1517 unter Thilo von Trotha, ist der Dom im Stil der Spätgotik überformt. Aus der basilikalen Anlage des Langhauses wurde dabei eine Hallenkirche.
Für die weitgehend verlorene Glasmalerei von 1280 hat Charles Crodel von 1947 bis 1960 in moderner Fortschreibung der mittelalterlichen Bildsprache ähnlich wie im Erfurter Dom und im Dom zu Halberstadt Ersatz geschaffen. Crodel führte die Glasmalerei eigenhändig bei Ferdinand Müller in Quedlinburg aus.
Am 17. August 2006 wurde das renovierte Kapitelhaus in einem Festakt in Anwesenheit des Kultusministers Jan-Hendrik Olbertz und des Bischofs Axel Noack eingeweiht. Gemeinsam mit dem Schloss und Schlossgarten in Merseburg gehört der Dom zum Netzwerk Gartenträume Sachsen-Anhalt.
Ausstattung
Das bedeutendste Kunstwerk ist die Grabplatte Rudolfs von Schwaben, der am 15. Oktober 1080 starb. Es gilt als ältestes Bildnisgrabmal des deutschen Mittelalters. Hervorzuheben ist hier besonders die technische Perfektion des Bronzegusses.
Der Merseburger Taufstein stammt aus der Zeit um 1180.
Grabplatte eines Ritters (Hermann) von Hagen (Hayn/Hahn) aus der Mitte des 13. Jh., dessen Erschaffung dem "Naumburger Meister" bzw. dessen Werkstatt zugerechnet wird.
Das Bronzegrabmal des Bischofs Thilo von Trotha, gestorben 1514, wurde vermutlich von Hermann Vischer d.Ä. um 1470/80, also noch vor seinem Tod angefertigt.

Grabmal für den Magdeburger Erzbischof Friedrich II. von Hoym.
Orgel
Ladegast-Orgel hinter barockem Prospekt, um 1700
Der Dom enthält hinter einem barocken Prospekt von ca. 1700 eine der größten romantischen Orgeln in Deutschland, geschaffen in zwei Etappen 1855 und 1866 von dem Orgelbauer Friedrich Ladegast. Von 2003-2006 wurde sie durch die Orgelbauer Eule, Scheffler und Wegscheider umfassend restauriert. Auf dieser Orgel wurde 1856 Präludium und Fuge über den Namen B-A-C-H von Franz Liszt uraufgeführt.
Glocken
Die zehn Glocken des Domes sind auf die beiden Westtürme, den Mittelbau und den Turmhelm verteilt. Mit einer umfassenden Restaurierung bekam jede Glocke einen neuen Klöppel sowie ein neues Holzjoch. Das Geläut wurde nach der ursprünglichen Aufhängung verteilt und in die zum Teil gotischen und barocken Glockenstühle gehängt. Im Dezember 2001 erklang das Domgeläut zum ersten Mal nach der Sanierung.[2] Seit dem Jahre 2002 ist die Clinsa wieder gesprungen. Seit der letzten Schweißung ist ein handgeschmiedeter Klöppel eingehängt worden, der formlich dem historischen Vorbild nahekommt.

Aus dem Buch: Halle und Merseburg: historisch und topographisch dargestellt, von Carl Weise, 1824

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