Kinderfest

Bericht über das Kinderfest aus dem Kreisblatt Merseburg 1872

Der Magistrat

Das Kinderfest

Das Kinderfest (Nr. 47)
Die Feier unseres Kinderfestes wird in diesem Jahr am 1. Juli auf dem Nulandtplatze stattfinden, wenn nicht ungünstiges Wetter die Verlegung auf einen der zunächst darauf folgenden Tage notwendig machen sollte. Über die Ausführung der Festfeier bemerken wir folgendes:
Die Schüler müssen pünktlich um 2:00 Uhr nachmittags auf dem Marktplatz versammelt aufgestellt sein. Nach dem Gesang des Liedes: "eine feste Burg" erfolgt der Auszug durch die Gotthardstraße. Abends ungefähr um 8:00 Uhr findet der Einzug durch das Sixtitor statt. Die Kinder stellen sich auf dem Marktplatz auf, wo zum Schluss das Lied: "Nun Dank alle Gott" gesungen wird. Die Herren Geistlichen und diejenigen Herren Lehrer, welche keine Klassen zu führen haben, die Mitglieder der städtischen Behörden, der Schuldeputation und der Schulvorstände werden sich an die Spitze des Zuges stellen. Die Familienväter werden freundlichst eingeladen, sich mit anzuschließen. Die Herren Bürgerschützen werden dem Zug der Kinder den erforderlichen Schutz gewähren.
Zur Ausführung der nötigen Arrangements auf dem Festplatze sind deputiert: die Herren MagistratsAssesoren Stollberg und Körner, die Herren Stadtverordneten Meyer, Koven, Grube, Behrenz, Bichtler und Hetzer und der Rektor Block.
Alle diejenigen welche auf die Festplatz Zelte oder Buden aufzubauen beabsichtigen, werden ersucht, sich wegen der Einzuweisen spätestens bis zum 27. Juni bei dem Garnisonverwalter Herrn Zschtzschingk zu melden. Derselbe wird die Bedingungen für das Aufstellen und Wegschaffen der Zelte und Buden mitteilen. Für die Benutzung der überwiesenen Plätze ist ein Standgeld von einem Silbergroschen sechs Pfennige pro Meter zu entrichten, welche sogleich bei der Anmeldung an den Herrn Zschetzschingk zu zahlen ist.
Zur Abwendung von Störungen werden folgende polizeilichen Bestimmungen erneuert:
a)  Um auf dem Festlplatz zu gelangen und von demselben wieder herunterzugehen, dürfen nur     
die hergestellten Ausgänge benutzt werden. Jede Beschädigung der Böschung muss
vermieden werden.
b) Die auf dem Platze stehenden Bäume dürfen in keiner Weise beschädigt werden. Die
Pflanzung wird der Obhut des Publikums dringend empfohlen. Reiten und Fahren auf dem Festplatze ist bereits bei einer Strafe bis zu drei Thalern verboten.
c) Das Abbrennen der Feuerwerkskörper auf dem Platze wird untersagt. Übertretungen werden mit einer Strafe bis zu drei Thalern oder verhältnismäßigem im Gefängnis belegt, wenn nicht etwa wegen der Nähe zu Scheunen oder Zelten nach dem Strafgesetzbuch höhere Bestrafung eintritt.
e) Der Verkehr in den öffentlichen Schankbuden oder Zelten darf über die zwölfte Stunde des Nachts nicht ausgedehnt werden. Übertretungen dieses Verbots werden nach § 365 des Strafgesetzbuches bestraft.
f) Das Fest darf über den Tag, an welchem der Auszug und der Einzug der Kinder stattfindet, hinaus nicht ausgedehnt werden. Die sämtlichen Buden und Zelte müssen am darauf folgenden Tage von dem Platze wieder beseitigt werden.
Merseburg, den 10. Juni 1872