Sixti-Kirche

Um 1880 wurde erstmals die Frage erörtert, ob und wie die Haushalte der Stadt Merseburg mit einem System von Wasserleitungen versorgt werden können. Die Planungen wurden in den 1880er Jahren auf kommunaler Ebene vorangetrieben, da auch seitens der Merseburger Bevölkerung ein diesbezügliches Interesse bestand. Eine Umfrage im Jahr 1887 ergab, dass 645 Haushalte mit Wasser versorgt werden wollten. Für die Funktionalitäten des Wasserversorgungssystems war ein Wasserturm erforderlich. Der Turm der alten St. Sixti Ruine sollte zum Ausbau verwendet werden. Ebenfalls erforderlich war die Abtragung der nahe gelegenen Stadtmauern. Das Stadtviertel St. Sixti sollte damit für den allgemeinen Verkehr geöffnet werden. 1887 wurde der Ingenieur Pfeffers aus der Stadt Merseburg mit dem Wasserwerkbau beauftragt. Die Kirchengemeinde St. Martini, als Eigentümerin der Sixti-Kirche samt Grundstück, verkaufte daraufhin im Jahr 1880 die heruntergekommene Kirche St. Sixti samt dem dazugehörigen Kirchturm zu einem Preis von 1250 Mark. Auch die preußischen Ministerien erhoben keine denkmalspflegerischem Bedenken gegen die nun geplante Nutzung des Kirchturmes. Der Architekt Hugo Wrede wurde mit der architektonischen Umgestaltung beauftragt. Der Maurermeister Karl Günther aus Merseburg hatte die Maurerarbeiten am zukünftigen Wasserturm übernommen. Neben den vorgenannten Arbeiten wurde der Turm neu eingedeckt. Die Fertigstellung des Wasserwerkes erfolgte 1890 und die ersten Einwohner Merseburgs konnten mit Trinkwasser versorgt werden. Die Nutzung der öffentlichen Brunnen war somit entbehrlich. Anstelle der Brunnen traten öffentliche Zapfstellen, so genannte Druckständer, die zur Wasserentnehme bereit standen, neu installiert in der Schmalen Straße, an der Kinderbewahranstalt Auf dem Sand, auf dem Neumarkt, in der Unteraltenburg und am Gasthaus zum Ritter Sankt Georgs vor dem Teichmannschen Hause in der Georgsstraße. Die Kosten für den Wasserturm wurden weit überschritten. Der Tod des deutschen Kaisers Friedrich III. im Dreikaiserjahr 1888 veranlasste die Stadtverwaltung, dem Verstorbenen ein Andenken zu setzen. Der Wasserturm erhielt den Namen Kaiser-Friedrich-Turm. Weiterhin sollte die Westseite des Turms mit dem Reliefsporträt des Kaisers versehen werden. Steinmetzmeister Donnerhack aus Weißenfels und der Berliner Bildhauer Uphues wurden mit der etwa 13.000 Mark teuren Realisierung beauftragt. Die Westseite des Turmes wurde mit zwei flankierenden Bronzelöwen versehen und im Juli 1893 fertig gestellt.

Bis zur Umgestaltung der Sixti Ruine hatte der Hospitalaufseher August Vieweg im inneren der Ruine einen Garten bewirtschaftet. Die Stadt Merseburg sicherte ihm nach der Übernahme des Grundstücks eine weitere kostenlose Pacht des Gartens zu, die von Vieweg bis 1907 erfolgte. Die Gartenanlagen sollten ab 1911 der Bewirtschaftung durch die Wasserwerke weichen, die dort Material für den Hochbehälter lagern wollte. Der Magistrat der Stadt Merseburg war anfangs mit dieser Nutzung einverstanden. Der Verkehrsverein für Merseburg und weitere Personen wendeten sich jedoch gegen eine solche Realisierung. Die Ruine sollte als Merseburger Sehenswürdigkeit weiter erhalten werden. Der Magistrat änderte daraufhin seine Haltung und verpachtete ab 1911 die Ruine für einen Pachtzins von 30 Mark an den Verkehrsverein. Die Sixti Ruine blieb dadurch vorerst in ihrem bisherigen Erscheinungsbild erhalten. Der Innenraum der Sixti Ruine wurde im Jahr 1922 mit einfachen Anlagen, Spielplätzen und Bänken versehen. Der Merseburg der 1920er Jahre fehlte es an einer Räumlichkeit für größere Veranstaltungen. Die Kapazitäten des Schlossgartensalons reichten nicht mehr aus. Ein großer Saal mit Nebenräumen für Theater und Konzertaufführungen sollte errichtet werden. Das geplante Merseburger Stadttheater sollte am Platz der Sixti Ruine entstehen. Die ernsthaft betriebenen Planungen wurden aber 1925 aus finanziellen Gründen eingestellt.

Die Ruine wurde in den Folgejahren von den Kindern des städtischen Kindergartens und den Kindern der Pestalozzischule genutzt, die dort einen Schulgarten angelegten.

Die Nationalsozialisten nutzten ab 1933 den Nulandt- Platz für Aufmärsche und Veranstaltung. Die NSDAP Kreisleitung Merseburg plante im Jahr 1937 die Sixti Ruine als Feierstätte für nationalsozialistisches Kulturgut zu nutzen und umzugestalten. Die Kriegsvorbereitungen und der 1939 folgende Zweite Weltkrieg setzten anderweitige Prioritäten, die die geplante Ausführung dieser Idee verhindern.

Die Urkunden des Unterstifts St. Sixti zu Merseburg 1834